Wie im letzten Blogeintrag angekündigt, habe ich mich – inspiriert von dem Blonde Pin-up with a Cocktail and Fan  auf die Suche nach der Geschichte der Pin-ups begeben. Sie ist umfangreich und beginnt schon im 15. Jahrhundert mit einem illustrierten Poster, das die belgische Edition der Histoire de la Belle Melusine bewirbt (es handelt sich hier um eine prosaische Erzählung, die von der gleichnamigen Sage handelt).

Bis in das Viktorianische Zeitalter (19. Jahrhundert) wurde das Bildnis von Frauen in erster Linie als eine Begleiterscheidung von Produkten in der Werbung verwendet. Diese Industrie wurde zu einem der am meisten ausgeschlachteten Medien. Zu dieser Zeit wurde der „Sex versprechende“ Körper der Frau immer häufiger abgedruckt. So konnten sich die ersten richten Pin-ups en masse verbreiten. Eine der Ursachen kann darin gesehen werden, dass das Theater populärer wurde und die Magazine des Show Business Schauspielerinnen in eindeutigen Posen sowie in unterschiedlichen Stadien des Bekleidet- und Unbekleidetseins darstellten. Es war nicht unüblich, halbnackte oder „scharfe“ Pin-ups – viele von ihnen aus Frankreich – in den Magazinen zu sehen.

Zur Jahrhundertwende kam das sogenannte Gibson Girl – nach seinem Schöpfer C.D. Gibson – in Mode. Es schien eine gewisse Eleganz zu verkörpern und war eine (gemalte) Persönlichkeit, in der Frauen ein Ideal fanden. Zum ersten Mal seit der Entstehung der Pin-ups wurde sie fernab von Werbung, Theater, Tanz, „Kunst“ und Burlesque gezeigt. Kurz nach 1910 verschwand das Gibson Girl jedoch wieder.

 

Dann gab es erstmal keinen Ersatz; erst in den „Goldenen Zwanzigern“ erschien eine neue Art von Pin-ups in den Movie-Fanzines. Hier wurden vor allem Schauspielerinnen abgebildet und der Begriff „cheesecake“ eingeführt, der das klassische Pin-up-Genre prägte. Die Geschichte hinter dem Wort ist längst eine Legende: Im September 1915 bemerkte George Miller, ein Zeitungsfotograf, die russische Opernsängerin Elvira Amazar, als sie mit ihrem Schiff einfuhr. Er fragte sie, ob sie ihren Rock ein bisschen anheben könne, was sie offenbar tat. Millers Herausgeber soll, als er das Foto sah, ausgerufen haben: „Why, this is better than cheesecake!“ Cheesecake wird auch als Fotografie bezeichnet, die insbesondere weibliche Anmut und Formschönheit zeigt. Sie ist auch der Typus von Pin-up, der am häufigsten in Softpornoheften (engl.: girlie magazines), Hollywood Magazinen, Kalendern und auf Postern erscheint.

 

Vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen die burlesken Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Sängerinnen (in Strumpfhosen, Shorts oder kurz geschnittenen Kleidern) aber nicht nur in den genannten Magazinen, sondern auch auf Spiel- und Zigarettenkarten.

Obwohl die frühesten Quellen des Pin-ups in der Entwicklung der gedruckten Illustrationen in Europa liegen, wurde das Pin-up selbst ein ausschließlich amerikanisches Konzept und Produkt.

Ab 1933 wurde dann das erste Petty Girl (dt.: belangloses/kleines Mädchen) im Esquire-Magazin – einem Vorläufer des Playboy – präsentiert, welches von George Petty herausgegeben wurde. Das Petty Girl war so populär, dass es sogar einen Film mit demselben Titel geben sollte – 1950 von Joan Coalfield produziert.

 

Das Petty Girl war schon 1941 wieder out und wurde durch das Varga Girl ersetzt, das sich allerdings auch nur fünf Jahre hielt. Das Varga Girl – erfunden von Alberto Vargas, einem peruanischen Maler – wurde ebenfalls im Esquire abgedruckt.

Als nach dem II. Weltkrieg das Varga Girl aus der Mode kam, fand die Lady Fair-Serie Einzug in das Magazin. Hier wurden die Modelle unbekannter Fotografen gezeigt. Meist ging es dabei um Mode. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Pin-up Model“ für die Models von Fotografen.

en 50ern stieg die Popularität von bekannten Schauspielerinnen wie Leslie Caron und Betsy Palmer, die sich – insbesondere für den Playboy und andere Männermagazine – ablichten ließen.

Und wie war das nun in Europa? Gab es da auch Pin-ups? Ja, schon. Aber in Deutschland erst nach dem II. Weltkrieg. Wobei Soldaten sich während des Krieges auch Pin-up-Bilder aufhängten, die meistens in einem propagandistischen Kontext standen. Nach 1945 gab es demnach Softpornohefte, doch verbreitet wurden die Bilder eher durch die Wochenzeitschriften wie die Neue Revue.

Frankreich war da wieder um einiges voraus: so kreierte der Künstler Jules Chéret Anfang des 19. Jahrhunderts schon einen Pin-up-Typus, der auf Poster gedruckt wurde und u.a. Toulouse-Lautrec inspirierte.

 

Auch die Postkarten des Österreichers Raphael Kirchner waren außerordentlich beliebt. Nach ihm ist auch das Kirchner Girl benannt.

 

 

Der Begriff Pin-up kam in der 40er Jahren auf und wurde im Allgemeinen verwendet, um softpornografische Illustrationen zu beschreiben. Jedes gedruckte Bild, das an eine Wand gehängt werden kann, konnte als Pin-up bezeichnet werden und richtete sich an eine große Zielgruppe. Der Begriff geht aber eigentlich noch weiter und meint auch Bilder auf Spielkarten, Schlüsselanhängern, Gläsern, Feuerzeugen und anderen Gegenständen.

Oft wurden die Pin-Ups mit Öl auf Karton oder Leinwand gemalt; manchmal sogar die Maße für Kalender o.ä. berücksichtigt. Diese wurden dann nachgedruckt und erschienen in Zeitschriften, Magazinen, Groschenromanen sowie auf Werbeplakaten etc.

Im II. Weltkrieg dienten Pin-ups oft als Glücksbringer oder Maskottchen und wurden an den Seiten der Tanks und Flieger angebracht. Das vielleicht berühmteste Pin-up dieser Art war Betty Grable mit ihren „million dollar legs“, die ihr vermutlich die Hauptrolle im Film The Pin-up Girl von 1944 einbrachten.

Bis in die 70er Jahre waren die Pin-ups populär, dann verschwanden sie langsam. Was nicht heißen soll, dass es sie nicht mehr gibt. Einige Künstler greifen die Motive auf und setzen sie in einen zeitgenössischen Kontext. Unter ihnen der berühmte Mel Ramos, der es mag, mithilfe der Pin-ups Zigarettenmarken, Cola sowie Kaugummis zu bewerben.

So ist es, man sieht sie sonst gar nicht mehr so häufig. Und es ist nur ein kurzer historischer Abriss. Doch ich habe bei meiner Recherche ein sehr interessantes Buch gefunden, das mit vielen Fotografien illustriert ist und sich auch kritisch mit dem Phänomen Pin-ups auseinandersetzt. Auf diesem Buch basieren auch die meisten Informationen hier. Es heißt „The Pin-up. A modest history“, Autor ist Mark Gabor und es wurde von der Bell Publishing Company (New York) in den 70er Jahren herausgegeben. Für Interessierte.

Und am Freitag gehe ich für euch zur Vernissage der Berliner Künstlerin Marion Habringer, deren Ausstellung den schönen Titel „Keine Z E I T – Zeitphänomene. Phänomene der Zeit.“ trägt.